Für den höchsten Repräsentanten im Staat
Deutschlands Kaiser Wilhelm II. wurde nachgesagt, dass er das Automobil frühzeitig hofierte und förderte, was mit seinem eigenen Fuhrpark begründet wurde, für den er schon 1903 den ersten Wagen beschaffen ließ.
Es soll durchaus vorgekommen sein, dass seine Majestät eine bereitgestellte Kutsche einfach ignorierte und sich stattdessen im motorgetriebenen Wagen fahren ließ.
Es herrschte kurz vor Ausbruch des Ersten Weltkriegs die Ansicht, dass sich kein anderes staatliches Oberhaupt so intensiv und ausführlich dem Automobil widmete wie der deutsche Kaiser - 1913 wurde er in der Presse als „der Allerhöchste Protektor des deutschen Motorwesens“ bezeichnet. Die Lobeshymne auf den höchsten Repräsentanten des Staates finden sich weiterhin in der These, dass er „…die deutsche Automobilindustrie in kritischen Tage vor der Gefahr behütet hat, durch eine allzu scharfe Gesetzgebung unterdrückt zu werden…“. Diese Worte gefielen auch den Herren in der Geschäftsführung der `Daimler-Motoren-Gesellschaft`, denn das Werk gehörte mit seinen Mercedes-Modellen zu dem erlauchten Kreis, der in den Fuhrpark des Kaisers aufgenommen wurde. Mit dem Typ 38/70 PS hatten das schwäbische Werk ein Modell im Portfolio, das gerne von Adeligen, Monarchen und Fürsten gewählt wurde. Auch für den Fuhrpark von Wilhelm II. wurde dieser Mercedes ausgewählt. Der kaiserliche Wagen führte auf dem Dach zwei Ersatzreifen mit, was damals wegen der schlechten Straßen durchaus ratsam, aber auch üblich war. Ebenfalls obligatorisch war es in den gehobenen Automobilkreisen, dass der Fahrgastraum durch eine Stoffverdeck in eine offene Version verwandelt werden konnte.